Michael Huber vom SC Obermaiselstein holt sich in Narvik den inoffiziellen Titel eines U18-Weltmeisters. Sein Vater ist ebenfalls kein Unbekannter in der Ski-Szene.
Von Thomas Weiß
Narvik/Obermaiselstein Trotz der Nachwuchssorgen im Alpinbereich des Deutschen Skiverbandes gibt es Lichtblicke – vor allem aus Allgäuer Sicht. Nachdem vor genau einem Jahr Felix Rösle (SC Sonthofen) in der Abfahrt und Benno Brandis (TSV Durach) im Super-G überraschend Gold bei der Junioren-Weltmeisterschaft im italienischen Tarvisio gewonnen hatten, machte diesmal ein noch jüngeres Talent aus dem Oberallgäu auf sich aufmerksam. Michael Huber vom SC Obermaiselstein, 17-jähriger Sohn des ehemaligen Spitzenabfahrers Berni Huber, holte bei der Junioren-WM im norwegischen Narvik den inoffiziellen Titel des U18-Weltmeisters im Super-G.
Inoffiziell deshalb, weil es bei der Fis nur U21- und keine U18-Weltmeisterschaften gibt. Diesmal war der 2005er-Jahrgang der älteste, die 2007er- und 2008er-Jahrgänge waren die Jüngsten. Aus den Ergebnislisten muss dann abgelesen werden, wer der erfolgreichste Athlet seines Jahrgangs ist. Eine eigene Ehrung gab es dennoch für Huber. Statt Fis-Medaillen erhielt er einen Bilderrahmen mit einer Alpin-Collage. Beim verkürzten Super-G belegte er im Gesamtklassement Platz 18, war mit einer Laufzeit von 41,55 Sekunden aber stärkster Fahrer des Jahrgangs 2008. Der Schwede William Haellqvist lag in der U 18-Wertung 13 Hundertstel hinter Huber, der Australier Felix Sachs als Dritter hatte 1,8 Sekunden Rückstand auf den Allgäuer. Junioren-Weltmeister wurde der Franzose Victor Haghighat (Jg. 2007) in 40,36 Sekunden. Huber blickt mit Stolz und Freude auf die WM zurück: „Mich hat es riesig gefreut, dass ich mit 17 schon mitfahren durfte. Es war ein megacooles Erlebnis, sowohl der Super-G als auch der Team-Wettbewerb mit meinem Kumpel Max Holzinger. Jetzt heißt es, bei den letzten Rennen der Saison das gute Gefühl mitzunehmen und noch einmal Vollgas zu geben.“
Das Talent hat Michael Huber sprichwörtlich in die Wiege gelegt bekommen. Sein Vater Bernhard Huber, den alle unter seinem Spitznamen „Berni“ kennen, fuhr selbst viele Jahre in der Nationalmannschaft. Der heute 58-Jährige hatte bei seiner ersten Junioren-WM in Jasna in der Tschechoslowakei 1985 Bronze in der Kombination gewonnen und ist seit acht Jahren beim Deutschen Skiverband leitender Schülertrainer. Seinen größten Weltcup-Erfolg feierte Berni Huber mit seinem einzigen Podiumsplatz im Dezember 1990 in Gröden. Die Abfahrt auf der Saslong beendete er als Zweiter hinter dem Schweizer Franz Heinzer und vor Atle Skårdal aus Norwegen. Huber war übrigens Zimmerkollege von Hansjörg Tauscher aus Oberstdorf, als dieser 1989 in Vail/Colorado überraschend Abfahrtsweltmeister wurde. Über seinen Sohn sagt Huber: „Michel ist heuer unter der Leitung von Hannes Wagner vom SV Hindelang das erste Mal im Fis-Team gefahren. Er hat super Ansätze, liegt in drei Disziplinen in der Weltrangliste seines Jahrgangs unter den Top Fünf und hat alle Möglichkeiten, dass er irgendwann einmal im Weltcup landet. Aber aus eigener Erfahrung sage ich, das ist ein langer und schwieriger Weg. Aber Einstellung, Leidenschaft und Disziplin im Training stimmen.“
Die Titelkämpfe in Narvik waren von extremen Wetterbedingungen beeinflusst. In der Abfahrt mussten Trainings und Wettkampf komplett abgesagt werden, was wohl ein noch besseres Allgäuer Abschneiden verhindert hat. Denn Rösle (21) und Brandis (19) galten gerade in den Speed-Disziplinen aufgrund ihrer Vorjahrestitel als Mitfavoriten. Doch diesmal reichte es nicht zu einer Topplatzierung. Rösle musste sich mit den Rängen acht (Super-G) und 13 (Teamkombination mit Benno Brandis) begnügen. Für den Duracher Brandis lief es noch schlechter: Bei fünf Starts schied er dreimal aus (Super-G, Riesenslalom, Slalom), lediglich im Team-Parallel-Wettbewerb kam er mit Romy Ertl, Jana Fritz und Felix Norys als Siebter in die Top Ten.
Zuletzt hatte es harsche Kritik an der Nachwuchsarbeit im DSV gegeben – auch aus den eigenen Reihen. Kurz nachdem Huber und der Tegernseer Holzinger (Slalom) Titel geholt hatten, schlug ein Interview von Alpin-Bundestrainer Christian Schwaiger mit der ARD-Sportschau hohe Wellen. Der Männer-Chefcoach, ein gebürtiger Österreicher, klagte, wie schlecht die Trainerarbeit an der DSV-Basis sei: „Wir brauchen extrem lange, und wir haben keine richtig gute Technik-Ausbildung.“ Schwaiger kündigte an: „Wir müssen das Ausbildungssystem analysieren und das so schnell wie möglich in den Griff kriegen.“ (Fotos: DSV)
