Alles geben für Olympia

Nordische Kombination Julian Schmid steht beim Weltcup im estischen Otepää erstmals auf dem Podest. Der 22-jährige Oberstdorfer hat aber noch ehrgeizigere Ziele – eines davon ist Peking 2022.

Text Noa Hüper, Foto Volk – –

Johannes Rydzek, Vinzenz Geiger, Eric Frenzel und Fabian Rießle sind seit Jahren die Erfolgsgaranten im deutschen Team der Nordischen Kombinierer. Am vergangenen Wochenende ist einem weiteren DSV-Athleten der Sprung – und Lauf – in die Weltspitze gelungen. Der 22-jährige Oberstdorfer Julian Schmid stürmte in Estland erstmals aufs Weltcup-Podest und bestätigte damit seine herausragende Form.

Doch der Weg ins so stark besetzte deutsche Team war kein leichter. Nachdem Schmid 2019 bei der Junioren-WM in Lahti zweimal Gold geholt hatte, folgten zwar zahlreiche Weltcup-Starts, konstant gute Ergebnisse, gerade im Springen, blieben in den vergangenen Jahren aber aus. Umso stärker präsentiert sich der derzeit Zehnte des Gesamtweltcups in diesem Winter: 13., Fünfter und 14. beim Auftakt in Finnland. Dazu einmal Schnellster in der Loipe. In Lillehammer/Norwegen und Otepää/Estland folgten die Plätze 20, 13 sowie die erste Podestplatzierung seiner Karriere.

Bei der Siegerehrung stand er neben Fabian Rießle, Olympiasieger von 2018 sowie dem „absoluten Ausnahmekönner“ Jarl Magnus Riiber, wie Schmid den dreifachen Gesamtweltcup-Sieger aus Norwegen bezeichnet. „Das war ein mega Gefühl“, schwärmt der Oberallgäuer, der im Alter von sechs Jahren beim SC Oberstdorf mit dem Langlauftraining begann und ein paar Jahre später die ersten Sprünge von der Schanze probierte. „Ich hatte nach dem Springen keinen allzu großen Rückstand, habe anfangs viele Körner sparen können und im Endspurt meine Stärke im Sprint ausgespielt“, schildert Schmid den Weg zu seinem bislang größten Erfolg.

In den vergangenen Jahren ging ihm auf den letzten Kilometern oft noch die nötige Spritzigkeit ab. Mittlerweile gehört er zu den laufstärksten Athleten im gesamten Feld. „Über die Jahre habe ich meine Trainingsumfänge enorm gesteigert. Im Sommer gehe ich viel joggen oder mache lange Bergtouren mit niedriger Intensität. Das zahlt sich jetzt aus“, sagt Schmid.

In der Vorbereitung auf die aktuelle Saison hat der Oberstdorfer teils 20 Stunden pro Woche trainiert, im Winter sind es nur vier. „Zwischen den Wettkämpfen steht die Regeneration im Vordergrund“, erklärt Schmid. Zudem habe er im Frühling, Sommer und Herbst viel an seiner Lauftechnik gefeilt und bereits im April wieder mit dem Sprungtraining begonnen. Rund 600 Sprünge absolviert Schmid pro Jahr – Wettkämpfe eingerechnet. „Früher hatte ich auf der Schanze teils extreme Ausreißer nach unten. Diese Saison ist das nicht mehr so“, sagt Schmid, dessen Ziel es ist, einmal das Gelbe Trikot des Weltcup-Führenden zu erobern.

Schon im Herbst stellte er sein Potenzial bei der deutschen Meisterschaft unter Beweis. Gemeinsam mit seinem Oberstdorfer Kollegen Johannes Rydzek holte sich Schmid den Titel im Teamsprint und sicherte sich damit einen festen Startplatz im deutschen Weltcup-Team – zumindest bis Weihnachten. Am Wochenende stehen zwei Wettkämpfe in der Ramsau an, danach wird entschieden, ob Schmid auch nach dem Jahreswechsel fest im Weltcup starten wird. Nach seinen bisherigen Top-Leistungen dürfte der 22-Jährige aber auch 2022 fester Bestandteil der Mannschaft von Bundestrainer Hermann Weinbuch bleiben.

Schmid liebäugelt sogar mit der Nominierung für die Olympischen Spiele im Februar: „Ich werde alles geben, um bei Olympia dabei zu sein. Die Konkurrenz bei uns im Team ist aber groß.“ Nur fünf Startplätze hat das deutsche Team für die beiden Einzelwettkämpfe in China. Doch gleich sieben DSV-Kombinierer haben berechtigte Chancen auf die Teilnahme. Ende Januar soll entschieden werden, wer mit nach Peking darf und wer zuhause bleiben muss. „Das wird eine schwierige Entscheidung für die Trainer“, ist sich Schmid sicher und fügt hinzu: „Bis es soweit ist, gilt es, weiter gute Leistungen zu bringen.“

Post Author: Dieter Haug