Hubert Lechner geht von Bord – Pirmin Joas übernimmt das Steuer.
Eine Jahreshauptversammlung ist selten ein Ereignis, das für große Spannung sorgt. Beim Allgäuer Skiverband (ASV) war das diesmal anders. Mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren in das Hotel Krone nach Stein gekommen – und spätestens bei den Neuwahlen war klar: An diesem Abend ging es um mehr als Bilanzen und Berichte. Der ASV bekam einen neuen Vorsitzenden.
Bevor es so weit war, richtete Landrat Christian Wilhelm den Blick auf die Bedeutung des Wintersports für das Allgäu. Der ehemalige Leistungssportler machte deutlich, dass der Wintersport weit über Medaillen und Spitzenleistungen hinausreicht. Mit den Winter-Special-Olympics im kommenden Jahr rückt auch der Breiten- und Behindertensport stärker in den Fokus.
Welche Bedeutung der ASV über die Region hinaus besitzt, unterstrich DSV-Präsident Jörg Flechtner in seinem Impulsreferat. Zahlreiche Allgäuer Athletinnen und Athleten gehören in ihren Disziplinen zur nationalen Spitze.
Olympische Perspektiven und schwierige Zeiten
Auch der Blick über das Allgäu hinaus fehlte nicht. Thema waren die Entwicklungen innerhalb des internationalen Skisports und die finanziellen Belastungen, die die FIS während der Amtszeit des früheren Präsidenten Johan Eliasch durch Subventionen kleiner Mitgliedsverbände im Zusammenhang mit seiner Wiederwahl aufgebaut hatte. Die Folgen wirken nach und stellen den Verband und seinen neuen Präsidenten Alexander Ospelt vor erhebliche finanzielle Herausforderungen.
Besonders kritisch wurde die Streichung der Nordischen Kombination aus dem Programm der Olympischen Winterspiele gesehen. Für das Allgäu ist das von besonderer Bedeutung, weil die Region traditionell eng mit dieser Disziplin verbunden ist.
Dabei haben sich die Maßstäbe für die Aufnahme und den Verbleib von Sportarten im olympischen Programm verändert. Was einst als klassische nordische Kernsportart galt, muss sich heute auch an anderen Kriterien messen lassen. Eine wichtige Rolle spielen dabei Reichweite und Sichtbarkeit in den sozialen Medien, aber auch Nachhaltigkeit und die Zahl der Länder, in denen eine Sportart betrieben wird.
Nachwuchs als eigentliche Kernaufgabe
Anschließend übernahm Hubert Lechner die Präsentation des vergangenen Sportjahres. Er konnte auf zahlreiche Erfolge Allgäuer Athletinnen und Athleten verweisen. Coletta Rydzek, Laura Gimmler, Philipp Raimund, Hannes Amann, Kilian Himmelsbach und Philipp Nawrath stehen stellvertretend für eine ganze Reihe erfolgreicher Sportlerinnen und Sportler.
Doch so prominent die Namen der Spitzenathleten sind: Die eigentliche Kernaufgabe des ASV liegt früher. Es geht darum, junge Talente zu entdecken, auszubilden und Schritt für Schritt an die höheren Kader heranzuführen.
Langlauf: Früh auf Schnee
Auch im Langlauf gab es im vergangenen Winter zahlreiche Erfolge auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Besonderer Dank galt Jessica Dotzler und Ralf Hagspiel.
Eine wichtige Rolle spielte dabei das Schneedepot im Nordic Zentrum. Durch die Einlagerung bereits im November des vergangenen Jahres konnte besonders früh trainiert werden – und das unter hochwertigen Bedingungen.
Biathlon: Nesselwang als Talentschmiede
Nesselwang bleibt eine Keimzelle des Allgäuer Biathlonsports. Gemeinsam mit dem SK Nesselwang gelingt es dem ASV immer wieder, mit vergleichsweise überschaubaren Mitteln viel zu bewegen. Dahinter steht vor allem eines: großes ehrenamtliches Engagement.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Immer wieder schaffen Sportlerinnen und Sportler den Sprung in die Kader des Bayerischen Skiverbands und des Deutschen Skiverbands.
Eine Baustelle bleibt allerdings die Beschneiung. Hier sollen die Bedingungen künftig verbessert und die Infrastruktur optimiert werden.
Skisprung und Nordische Kombination: Das Allgäu kann Skisprung
Auch im Skisprung und in der Nordischen Kombination sind die Voraussetzungen im Nachwuchsbereich nicht einfach. In Bayern stehen mit dem SCO und Buchenberg gerade einmal zwei Vereine zur Verfügung, ergänzt durch Isny in Baden-Württemberg.
Umso deutlicher zeigen die vergangenen Monate, dass sich Investitionen in neue Strukturen auszahlen. Die Trainingsgruppe um die Trainer Phil Kreischer und Maximilian Jäger sorgt für bemerkenswerte Ergebnisse. Beim Deutschen Schülercup am vergangenen Wochenende holte die Gruppe drei Siege und sechs weitere Podestplätze.
Die Botschaft ist damit klar: Das Allgäu kann Skisprung.
Skiinternat voll belegt
Auch das Skiinternat in Oberstdorf bleibt ein wichtiger Baustein der Nachwuchsarbeit. Zum neuen Schuljahr sind am 14. September zehn neue Sportlerinnen und Sportler aus fünf Disziplinen eingezogen. Insgesamt besuchen damit 39 Athletinnen und Athleten das Skiinternat.
Leichtes Plus in der Kasse
Finanziell steht der Verband solide da. Schatzmeister Philipp Gehring konnte in seinem Kassenbericht ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr vermelden.
Nach acht Jahren: Lechner gibt das Steuer ab
Dann wurde es endgültig spannend. Im Mittelpunkt der Neuwahlen stand die Frage, wer künftig an der Spitze des ASV steht.
Hubert Lechner hatte den Verband acht Jahre lang geführt – und dabei, um im Bild zu bleiben, manches bewegte Fahrwasser durchquert. Nun zieht er sich aus der aktiven Verantwortung zurück.
Seinen Nachfolger hatte Lechner bereits gefunden: Pirmin Joas soll künftig das Steuer übernehmen. Der ehemalige Oberstdorfer ist heute Bürgermeister der Gemeinde Nesselwang.
Die weiteren Wahlergebnisse sind in einem eigenen Kasten zusammengefasst.
Ehrungen zum Abschied
Zum Ende der Versammlung standen verdiente Ehrenamtliche und ehemalige Leistungssportler im Mittelpunkt.
Den Ehrenbrief des Allgäuer Skiverbands erhielten Thomas Doering für sein Engagement im Lehrwesen und Rainer Forster für seine langjährige Tätigkeit als Kampfrichter.
Eine besondere Würdigung gab es für Thade Thannheimer vom SC Oberstdorf. Er wurde für 40 Jahre Nachwuchsarbeit im Langlauf ausgezeichnet.
Verabschiedet wurden zudem zwei langjährige Leistungssportler: Andreas Sander und Sebastian Holzmann haben ihre aktiven Karrieren beendet. Zum Abschied gab es für beide ein Präsent – und viel Anerkennung für ihre sportlichen Leistungen.
Am Ende blieb damit vor allem ein Bild hängen: Der ASV steht sportlich gut aufgestellt da, der Nachwuchs macht Hoffnung – und an seiner Spitze beginnt mit Pirmin Joas eine neue Ära.
Dieter Haug
Weitere Wahlergebnisse (wie bisher):
Schatzmeister: Philipp Gehring
Schriftführerin: Barbara Ketterle
Referent Sprunglauf: Vinzenz Singer
Referent Biathlon: Peter John
Sportwart Snowboard: Sven Schweizer
Referent Lehrwesen: Markus Golling
Frauenreferentin: Katrin Vallet
Rechtsreferent: Carlo Scheiternig












