Allgäuer trainiert ÖSV-Slalom-Asse

Von Dieter Haug –

Madonna di Campiglio, 07.01.2026. Nachtslalom, zweiter Durchgang. Die Kommentatoren Bernd Schmelzer und Felix Neureuther sind sich einig: Das war der beste Slalom in diesem Winter. Nicht der Sieg des Franzosen Clement Noel, sondern die technisch schwere Kurssetzung. Verantwortlich dafür Österreichs Slalomtrainer Robert Füß. Füß? Da klingelt es bei den Fachleuten.

Ortwechsel. Ein altes Bauernhaus in Wertach. Mir gegenüber sitzt Robert Füß, in Fachkreisen besser bekannt als Momo. Robert ist seit letztem Jahr verantwortlich für die Weltcup-Slalomtruppe des Österreichischen Skiverbands. Ein deutscher Trainer beim ÖSV? Bis dato war es immer umgekehrt. Heute haben mehrere Trainer aus Österreich leitende Funktionen beim DSV (Puelacher, Brunner, Schwaiger,…), aber Füß ist der erste deutsche Alpin-Trainer beim ÖSV.

Aufgewachsen in Bad Hindelang, wollten seine Eltern dem kleinen Robert das Langlaufen schmackhaft machen, doch schnell entdeckte er das alpine Skifahren, das von nun an sein Leben bestimmen würde. Im Skiclub SV Hindelang erkannte Trainer Alex Schenk sein Talent und schon bald fuhr er im ASV-Schülerkader, später im Jugendkader.

Trainer wie „Habsi“ Haberstock Werner, Hörburger Herbert, Burger Albert und Beck Florian begleiteten ihn und entwickelten sein skifahrerisches Können, das dann im C-Kader mit 21 Jahren ein Ende fand. Nach Beendigung seiner aktiven Kariere begann er ein Sportstudium in München. Es war dann Bernie Huber, leitender DSV-Schülertrainer, der den Studenten in der vorlesungsfreien Zeit im Winter gerne als Praktikanten einsetzte. Seine Lehrjahre, wie er es heute bezeichnet. 2002 bewirbt er sich für einen Trainerposten beim DSV. Fortan ist er verantwortlich als Co-Trainer im Speedbereich zusammen mit Peter Namberger. Diese Liaison dauert aber nur ein Jahr, dann wird sie wieder aufgelöst. Die nächsten Jahre ist er erst Stützpunkttrainer für den DSV im Allgäu, später verantwortlich die Europacupmannschaft und die Technikmannschaft Herren. Zu seinen Schützlingen gehören Stefan Luitz, Linus Straßer, Sebastian Holzmann, Thomas Dreßen sowie Alex und Manu Schmid, die er fortan bis hinauf zum Europacup und zum Weltcup begleitet. So der Plan.

Dass es dann anders kam, beschreibt Momo heute so: „Für mich war klar, dass ich mit den Jungs in den Weltcup wollte. Am Saisonende 2018 lud mich der damalige Cheftrainer Matthias Berthold auf ein Gespräch ein, da er mit mir über meine Zukunft reden wollte. Bei diesem Gespräch eröffnete er mir, dass ich zurückgehen und den Nachwuchs trainieren solle. Das war ein Schock für mich, denn ich wollte „meine Jungs“ bei ihren Weltcupauftritten begleiten. Unverständlich auch deshalb, weil immer wieder österreichische Trainer zum DSV geholt wurden und werden, die „Eigengewächse“ dafür zum Nachwuchs abkommandiert wurden.“ Wobei ich nicht gegen die Nachwuchsarbeit eingestellt bin, die immer Priorität haben muss, denn sie bildet die Basis für die Arbeit oben. Doch in diesem Augenblick hatte ich andere Pläne.

Momo sagte Nein. „Ich erinnere mich noch gut an den Rat von Peter Endrass, den ehemaligen schwedischen Nationaltrainer und heute ansässig in Bad Hindelang, und Martin Osswald, die mir damals geraten hatten, mich privat und sozial so gut aufzustellen, dass ich notfalls auch eine Zeitlang ohne den DSV überbrücken könne.“ Und so sagte ich Nein zum Angebot des DSV.

Wichtig hierbei zu wissen ist, dass Robert 2002 nach Wertach umzog, Ab 2018 übernahm er die Landwirtschaft seiner Schwiegereltern mitsamt den Ferienwohnungen. Simone, seine Ehefrau, übernimmt zusammen mit den zwei Söhnen und der Tochter diesen Job, wenn er wieder mal nicht da ist.

„Mitte April – ich war gerade beim „Hagen auf der Viehweid“ (Zaun aufstellen), klingelte mein Handy mehrmals und beim Nachschauen entdeckte ich acht Anrufe aus Österreich. Diese entpuppten sich als ein Angebot aus Österreich, dort als Trainer bei den Damen mit Katrin Liensberger und Julia Scheib zu arbeiten. Nach Rücksprache mit Simone entschloss ich mich, dieses Angebot anzunehmen. Im Nachhinein gesehen war dieser Schritt wichtig für mich und meine Entwicklung als Trainer.“

Nach zwei Jahren erhielt der heute 48jährige Robert das Angebot vom damaligen österreichischen Cheftrainer Andreas Puelacher, der heute als Cheftrainer bei den deutschen Damen arbeitet, zum Herrenteam zu wechseln. Die nächsten zwei Jahre arbeitete er mit dem Weltcupteam 2, bis dieses dann in die WC 1 integriert wurde. Die nächsten drei Jahre trainierte er dann als Co-Trainer die Truppe um Manuel Feller und Marco Schwarz. Und als im letzten Jahr im ÖSV eine Neustrukturierung erfolgte, (zwei Speed-Teams, zwei Technik-Teams) wurde er Chef der Slalomtruppe um Fabio Gstrein, Michael Matt, Adrian Pertl, Dominik Raschner, Simon Rueland und Johannes Strolz.

Kein leichtes Brot, ist doch die Dichte im Slalom inzwischen sehr groß. So gab es in den diesjährigen acht Slalomrennen sieben verschiedene Sieger. Nur Paco Rassat (FRA) gewann zweimal.

Seine Tätigkeit erstreckt sich weit über das eigentliche Training hinaus. Planung der Schnee-Einheiten, der Aufenthalte und Trainingseinheiten, z.B. in Chile, wöchentliche Absprachen mit Athleten und Coaches, jetzt die Planung für die Olympischen Spiele – eine herausfordernde Aufgabe für den Allgäuer im Dienst des ÖSV. Im Sommer hat er mehr Freiraum, da das Training durch die Stützpunkte oder private Konditionstrainer abgedeckt ist. Doch in Abstimmung mit den Co-Trainern werden im Frühjahr Konzepte entwickelt, welche Veränderungen anstehen und wie sie umgesetzt werden sollen.

Und der weitere Zukunftsplan? Robert hat seinen Traumberuf gefunden. Simone, seine Frau und seine Kinder haben sich damit arrangiert, wissen aber auch, dass für Robert die Familie immer an erster Stelle steht.

 

 

 

Post Author: Dieter Haug